1966         1968

Jörg Steiner
Ds Bett. Ein Monolog (37')
Dialekt Berndeutsch Monologhörspiel Montagsstudio Hörspiel-Erstling TV-Inszenierung 1967 [D&F]
Joseph Scheidegger, Basel
9.1.67
67 (DRS-2, 1 Sdg.), 68 (DRS-2, 1 Sdg.), 71 (DRS-2, 1 Sdg.), 74 (DRS-2, 1 Sdg.)
 
NZZ, 20.1.67, zd., "Das Bett" von Jörg Steiner. Versuch mit der Wahrheit
Manuskript zum NZZ-Artikel, 20.1.67, --, Zum Monodrama "Das Bett" von Jörg Steiner
r+f 14/67, S.8/9, Walter Grieder, Zwischen "Bett" und "Hausordnung". Zwei Einakter von Jörg Steiner (zur TV-Premiere am 11.4.67)
 
Kassette: ExLibris (TR-Verlagsunion, Audiothek-Reihe)
 
Von E. Pulver als "interessant" bezeichnet [Kindler 1974, S.354]
in SSV/SBVV als Fernsehspiel (Monodrama) aufgeführt: Das Bett (TV SRG Zürich)
Wiederholung im Rahmen des 50-Jahr-Jubiläum, 1974
 
"Die Metzgersfrau Lina Schürchi ist ein Mensch, der in der Lage ist, wie sie von sich selber sagt, sich nicht mehr schämen und nicht mehr lügen zu müssen. Sie ist eine fleissige, unbescholtene Person, die es im Leben nicht leicht hat. Eben hat ihr Mann den zweiten Schlaganfall erlitten und sitzt nun gelähmt, aber bei Bewusstsein, im Nebenzimmer. Beim Stricken erzählt ihm Lina, was ihr so alles durch den Kopf geht.
Wohl selten ist in einem Stück die Unmenschlichkeit bürgerlichen Denkens mit solcher Deutlichkeit ausgesprochen worden.
Ellen Widmann interpretiert die Rolle der Lina Schürchi." [Pgr 2/71, S.18]
 
"Mit den beiden Einaktern 'Das Bett' und 'Die Hausordnung' stellt Steiner seine ersten dramatischen Versuche vor. 'Versuche', nennt er die Sache selbst. 'Ein reines Experiment, ich weiss selbst noch nicht, ob es brauchbar wird.'
'Das Bett', ursprünglich ein schriftdeutsches Hörspiel für das Radio, hat der Autor für die Television ins Berndeutsche übertragen. Steiner empfindet die Mundart als besonders ansprechend. Und so hat er denn in seinem erstgenannten Einakter versucht, das heutige, auf der Strasse gesprochene Berndeutsch wieder freizusetzen. 'Eine Aufgabe des Schriftstellers ist es, die Sprache lebendig zu halten.'
Der zweite Einakter, 'Die Hausordnung', entstand im Auftrage des Schweizer Fernsehens. 'Es ist ein Stück gegen die Gewöhnung - eines, das zeigt, dass man sich an manches gewöhnt und das Gewohnte auch zum Schrecken werden kann', meint Steiner. Er ist ein 'stiller Revolutionär', ein nüchterner, wie er selbst es bezeichnet, einer, der mit kleinen Schritten etwas ändern will, sich dabei bewusst bleibt, dass man vom Vergangenen und vom Bestehenden her weitersuchen muss. Immer wieder in Frage stellen, das ist eines seiner Anliegen, und so schreibt er auch meist über Dinge, die anderen als gesichert erscheinen. [...]
Radio Basel hat ihm ein neues Hörspiel in Auftrag gegeben, Radio Bern ebenfalls." [r+f 14/67, S.9]
 
 

Hermann Schneider
's geischteret in dr Ruetegass. Eine Hörspielreihe in 5 Teilen
(52' / 45' / 39' / 45' / 54')
Dialekt Kriminalhörspiel Bearbeitung: W.Hausmann Musik: Hans Moeckel [L+L]
Werner Hausmann, Basel
11.1.67 / 18.1.67 / 25.1.67 / 1.2.67 / 8.2.67
67 (DRS-1, 5 x 1 Sdg.), 80 (DRS-1, 5 x 1 Sdg.)

r+f 1/67, S.45, Hermann Schneider, 's geischteret in dr Ruetegass
 
"Es gibt wohl wenig Städte oder Dörfer, wo man nicht von Gespensterhäusern zu erzählen wüsste. Ich kam als Kind mit einem in näheren Kontakt. Mein Vater hatte um die Jahrhundertwende in Kleinbasel ein Grundstück gekauft, auf dem er ein Wohn- und Geschäftshaus- wollte bauen lassen. Es war altherrschaftlicher Besitz gewesen, dieses Stücklein Boden - genauer gesagt: Teil eines umfangreichen, baumbestandenen Besitztums, und es befand sich darauf ein älteres Einfamilienhaus, das mein Vater miterwerben musste. Er liess es instandstellen und vermietete es. Das dauerte so an die zehn Jahre ohne besondere Umstände oder Ereignisse, als plötzlich das Gerücht aufkam, in dem alten Haus spuke es. [...]
Und wiederum Jahrzehnte später habe ich mich hingesetzt und eine Hörspielreihe geschrieben, deren Thema jene Affäre ist. Nicht genau übernommen, sondern mit andern Motiven und Geschehnissen vermischt. Der Hörer darf also nicht einfach erwarten, dass meine biographischen Andeutungen in den Hörspielen dargestellt sind. Sie bilden nur den Ausgangspunkt für die vielfältig verzweigte Handlung mit all den Ereignissen, in denen die Spannung einer Kriminalgeschichte knistert. Worum es wirklich geht, darf natürlich nicht verraten werden.
Die Arbeit an dieser Hörspielreihe war für mich ein richtiger Spass. Hier ging es mir darum, im besten Sinne Unterhaltung zu schaffen. Und ich möchte nur hoffen, dass der Hörer den Spass des Verfassers schmunzelnd nacherlebe!" [r+f 1/67, Hermann Schneider]
 
1.Folge
"Bei diesem Zyklus handelt es sich um das letzte Werk, das Hermann Schneider - er starb im Januar 1973 - für das Radio geschrieben hat.
Im mittleren der drei Häuser 11, 13 und 15 an der Rutengasse in Kleinbasel spukt es. Kinder und Erwachsene erzählen von eigenartigen Klopfzeichen, das Gespenst soll sogar schon einem Bewohner erschienen sein." [Pgr 2/80, S.14]
 
2.Folge
"Die Sache mit dem Gespensterhaus lockt einen Reporter an den Schauplatz. In der Zeitung wird die Affäre breitgeschlagen und danach von den Beteiligten verschlungen." [Pgr 2/80, S.15]
 
3.Folge
"Gerüchteweise ist von einem bevorstehenden Verkauf des verhexten Hauses die Rede." [Pgr 2/80, S.16]
 
4.Folge
"In einer Art spiritistischen Sitzung soll endgültig Klarheit geschaffen werden, ob der ganze Spuk auf Schwindel zurückzuführen sei." [Pgr 2/80, S.17]
 
5.Folge
"Nach allerhand Verwicklungen löst sich das Geheimnis um das Spukhaus. Der Wechsel des Besitzers macht der ganzen Geschichte ein Ende." [Pgr 2/80, S.18]
 
 

Hans Haeser
Eusebius Bitterli und das Alibi. Ein neues Abenteuer des unfreiwilligen Amateur-Detektivs (52')
Dialekt Kriminalhörspiel Musik: Hans Moeckel [D&F]
Hans Hausmann, Basel
13.2.67
67 (DRS-1/2, 1 Sdg.), 71 (DRS-1, 1 Sdg.), 78 (DRS-1, 1 Sdg.)

r+f 5/67, S.12, --, Eusebius Bitterli und das Alibi
 
"Freitagabend, den 12.März 1965. Basel ruht von der Fasnacht aus. Die Strassen sind ausgestorben. Jemand macht sich die Stille zunutze und bricht in ein Bijouteriegeschäft ein. Die Polizei hat zwar einen Verdächtigen verhaftet, aber er hat ein hieb- und stichfestes Alibi. Der unseren Hörern nicht unbekannte Eusebius Bitterli ist schon früher in zweifelhafte Abenteuer hineingezogen worden: in Afrika, in Berlin, sogar auf dem Mars. Als Detektiv wider Willen gelang es ihm jeweils, Licht in das verbrecherische Dunkel zu bringen. So trägt er auch hier zur Lösung bei, nicht ohne tatkräftige Unterstützung durch Frau Zimmerli, seine Haushälterin. Der Verfasser dieses anspruchslosen fasnächtlichen Krimis, Hans Haeser, hat die beiden Rollen Ruedi Walter und Margrit Rainer auf den Leib geschrieben." [r+f 5/67, S.12]

 

Maria Simmen
Nur e Mönsch (59')
Dialekt [L+L]
Martin Plattner, Basel
8.3.67
67 (DRS-1, 2 Sdg.)
 
 

Fritz Ringgenberg
Der Häilig von der Biehlen (53')
Dialekt Musik: Eugen Huber [L+L]
Hans Gaugler, Bern
22.3.67
67 (DRS-1, 1 Sdg.)
 
 

Hans Stalder
Michael Schüppach. Der Langnauer Schärer und Wundarzt (45')
(Hörfolge) [L+L]
Hans Gaugler, Bern
25.3.67
67 (DRS-1, 1 Sdg.)
 
 

Urs Jenny
Die Schwierigkeiten (29')
Kurzhörspiel
Alfons Hoffmann, Bern
13.4.67
67 (DRS-2, 1 Sdg.)
 
"Zwei Menschen, die vor der Frage stehen, ob sie ihrem Beisammensein die Gültigkeit der Ehe geben sollen. Gemeinsam unternehmen sie in der Erinnerung die Reise durch das Vergangene ihrer Bekanntschaft, und nahtlos webt sich in das Erinnern die Vision einer möglichen Zukunft, eine Ahnung von dem, was sie erwarten kann. Zweifel stellen sich ein, ein Schicksal wird vorweggedacht, das gefügt ist aus ihrer Beziehung zu einem Menschen, der beiden das unerreichbar Vollkommene bedeutet hat, und dessen Verlust die beiden, ohne dass sie es gewusst hätten, zueinander gebracht hat.
Auf der Schwelle, die das 'Jetzt' darstellt, jenen Augenblick, von dem aus sich die 'Schwierigkeiten' in der Vergangenheit wie in der Zukunft als ein Ganzes, unzertrennbar vermischt miteinander, überblicken lassen, haben sie die Entscheidung zu treffen. Es ist der junge Mann, der die Frage stellt. Und das Mädchen bejaht sie, über alles Schwierige hinweg, freudig und mit dem einen, grossen Argument: 'Weil wir leben'." [r+f 14/67, vgn.]
 
 

Brigitte Meng
Der König (25')
Kurzhörspiel
Amido Hoffmann, Bern
13.4.67
67 (DRS-2, 1 Sdg.)
 
"Monarchien sind aus der Mode gekommen. Und doch wäre Königsein ein Traum, dem man liebevoll nachhängen könnte: Ein Mensch zu sein, dem alle Macht gegeben ist, allein das Wohl und das Glück seiner Untertanen zu wollen. Ein Mensch zu sein, der kraft seines Wortes, seines Befehles alles Leid und alle Angst aus diesem Leben verbannen kann. Und so befiehlt denn dieser König. Er befiehlt, dass man die Zeit in seinem Reich aufhalte, er befiehlt, dass Kinder nicht mehr weinen sollen, er befiehlt ihnen Spiele und Glücklichsein, er befiehlt die Freude für sein ganzes Land.
Doch er selbst? Sein eigenes Leben an der Seite seiner Gattin, die sich fürchtet in diesem Puppenstubenreich? Wie glücklich kann er selber sein, da er sehen muss, dass Träume - auch Träume von Königen - an der Wirklichkeit zerbrechen und zur Lüge werden, die alles einschliesst, erstickt und erwürgt? Muss umsonst bleiben, was er unternommen hat? - Monarchien sind aus der Mode gekommen. Träume von Königen sind Utopie." [r+f 14/67, vgn.]
 
 

Erwin Heimann
Im Chalte Chrieg. Bilder und Dokumente zur schweizerischen Nachkriegsgeschichte (10 Folgen) (67'/ 65' / 55' / 49' / 66' / 56' / 62' / 59' / 64' / 59' )
(Hörfolge) Dokumentation und endgültige Radiobearbeitung: Hans Rudolf Hubler [L+L]
Robert Egger, Bern
26.4.67 / 3.5.67 / 10.5.67 / 17.5.67 / 25.5.67 / 31.5.67 / 7.6.67 / 14.6.67 / 21.6.67 / 28.6.67
67 (DRS-1, 10 x 1 Sdg.), 73 (DRS-1, 10 x 1 Sdg.)

r+f 15/67, S.12/13, vgn., Von der "Sturmzyt" zu "Im Chalte Chrieg" tvrz 37/73, S.67, hrh, Im chalte Chrieg. Bilder und Dokumente zur schweizerischen Nachkriegsgeschichte
Buchausgabe: Bern (Viktoria) 1967
 
"Vor drei Jahren ging eine Sendefolge aus dem Studio Bern zu Ende, die in der deutschsprachigen Schweiz und auch im Ausland ein lebhaftes Echo fand: 'Sturmzyt - ein Wegstück schweizerischer Geschichte im Spiegel von Erlebnis und Dokument'. Vom Anfang der dreissiger Jahre bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurden jene Ereignisse, die das Bild Europas und der Welt prägten, aus schweizerischer Sicht nachgezeichnet am menschlichen und politischen Schicksal einer Bauernfamilie auf dem 'Nussbaum'. Kommentare und Tondokumente rundeten das historische Bild für den heutigen Zuhörer und schufen so eine eindrückliche Einheit von Tatsachenbericht und dichterischer Fiktion." [...]
" Der Autor: Erwin Heimann führt die Geschichte seiner Figuren aus der 'Sturmzyt' weiter. An ihrem persönlichen Verhalten zeigt er die Probleme auf, vor die sich der Schweizer in der Nachkriegszeit bis hinein in die jüngste Vergangenheit ('Im chalte Chrieg' beleuchtet die Zeit von 1945 bis 1964) gestellt sah, und die zum Teil bis heute noch ungelöst sind. Seine zehn Hörbilder, die sich als literarischer Beitrag zur Bewältigung unserer Vergangenheit verstehen, haben den Charakter eines Freskos, das erst aus dem Gesamtüberblick in all seinen Verästelungen verständlich wird. Der Stoff, den es zu bearbeiten galt, ist von brennender Aktualität, und immer wieder mussten Schwergewichte aus Fakten und Erinnerungen gebildet werden. Angesichts der äusseren Statik sind die menschlichen Konflikte und deren Auswirkungen in den Vordergrund gerückt worden: der 'kalte Krieg' spielt sich auch auf einer 'inneren', völlig unpolitischen Ebene ab.
Dokumentation: Hans Rudolf Hubler . Mit Tondokumenten und Zwischentexten mussten die epischen Bilder Heimanns in den grossen geschichtlichen Rahmen gestellt werden. Aus in- und ausländischen Archiven hat Hans Rudolf Hubler eine Fülle interessanter Dokumente zusammengetragen, die wiederum sowohl an die Erinnerung der älteren Zuhörer appellieren, als auch der jüngeren Generation Einblick geben in die Vergangenheit. Politische Sachberater haben die Kommentare im Lichte jüngster wissenschaftlicher Erkenntnisse geprüft.
Regie: Robert Egger . Die Regie sah sich mit 'Im chalte Chrieg' vor nicht unbeträchtliche Schwierigkeiten gestellt. Nahezu 70 Stimmen musste Robert Egger führen. Nicht alle Personen aus der 'Sturmzyt' waren verfügbar, Neubesetzungen wurden nötig. Ein Hauptproblem bildete das 'Älterwerden' der Figuren, umfassen doch die beiden Sendereihen zusammen nun eine Zeitraum von über dreissig Jahren! Zudem stellte das Fehlen einer eigentlichen Handlungsdramatik hohe Anforderungen an die Hörspieler von Radio Bern."
[...] [r+f 15/67, vgn.]
 
"'Im Chalte Chrieg' ist - wie die 'Sturmzyt' - eine Sendeform, in der die Spielhandlung frei erfundener Figuren mit historischen Tondokumenten kombinizert wird. Sie versucht, die Ereignisse so darzustellen, wie sie damals von Zeitgenossen erlebt, verstanden und gedeutet wurden. Es gibt verschiedene Gründe, warum wir uns zu einer Wiederholung dieser Sendereihe im Herbst 1973 entschlossen haben. Wir nennen nur zwei:
- Der Zyklus 'Die Schweiz im Krieg', der vom Schweizer Fernsehen in diesem Jahr ausgestrahlt wurde, hat zweifellos erneut Interesse geweckt für geschichtliche Zusammenhänge und Hintergründe der jüngsten Vergangenheit. Obgleich die Sendereihe 'Im Chalte Chrieg' formal anders konzipiert ist, darf sie doch als Ergänzung und Weiterführung des Themas betrachtet werden.
- Die Sendereihe umfasst die Jahre 1945-1963. Das letzte weltpolitische Ereignis, das sie berührt, ist die Ermordung des amerikanischen Präsidenten Kennedy. Am Tage unserer letzten Sendung werden es zehn Jahre her sein." [tvrz 37/73, hrh]
 
 

Arnold Kübler
De schwarz Panther. Zürichdeutsche Komödie in Reimen
(103')
Dialekt Zürcher Mundart Komödie Bearbeitung durch den Autor/Ursendung Musik: Tibor Kasics [D&F]
Bruno Felix, Zürich
6.5.67
67 (DRS-1, 1 Sdg.), 70 (DRS-2, 1 Sdg.), 75 (DRS-1, 1 Sdg.)

NZZ, 12.5.67, zd., Mundarttheater in Reimen
r+f 17/67, S.12/13, Bruno Felix, Zürichdeutsche Komödie: De schwarz Panther
 
"Wahrscheinlich für jeden Nichtzürcher, bestimmt für jeden Basler ist es unausdenkbar, gewöhnliche Zürcher in Versen, in Reimen reden zu hören. Arnold Kübler hat in seiner Komödie in zürichdeutschen Reimen 'De schwarz Panther' das Kunststück fertiggebracht, unverfälschte Zürcherart und -sprache in Verse zu fassen.
Zürich hat ja im Oktober 1933 eine echte Sensation um einen schwarzen Panther erlebt, der damals im Zoo ausbrach und schliesslich von einem Bauern am Ricken mit einem Prügel totgeschlagen wurde. Arnold Kübler verwendet nur die Tatsache der Pantherflucht und das lustspielgerechte Ende des Tieres in seinem Stück. Die ganze Geschichte vom Überseer Heinrich Meier aber, der in seiner Heimat eine Frau sucht und erst nach vielfältigen Abenteuern und einigen bitteren Erfahrungen in der engen Welt der Heimat sein Glück einfängt, das alles hat die Phantasie des Autors erschaffen. 'De schwarz Panther' wurde bis jetzt noch nirgends auf der Bühne gespielt. Er ist auch so ganz aus dem Geiste Zürichs entstanden, dass er schwer in eine andere Stadt versetzt werden könnte, schon aus sprachlichen Gründen nicht, denn wo fände man einen Reim auf die schöne Blume Phlox, wenn nicht im Zürichdeutschen mit dem Ausdruck 'öppis Chogs'.
Für unsere Radioaufnahme hat Arnold Kübler sein Stück noch einmal überarbeitet. Hier darf man also für einmal ganz zu Recht von einer Ursendung reden, weil hier ein Werk zum erstenmal in der Öffentlichkeit erscheint, das bei den Kennern unserer Mundart, unserer geistigen Eigenart, aber auch als ein Stück lebendiges Theater sicher Beachtung verdient. Es war für uns eine interessante, wenn auch gar nicht leichte Aufgabe, die doch recht grosse Zahl von Rollen mit Schauspielern zu besetzen, die unseren Dialekt noch als Ausdrucksmittel anwenden können, die aber auch den Anforderungen der gereimten Sprache Küblers, die einen grossen Atem und eine Vielfalt von Nuancen verlangt, gewachsen waren.
Inigo Gallo, Paul Bühlmann, Marlene Stocker, Margrit Rainer, Ruedi Walter und Ulrich Beck haben in den wesentlichen Rollen an dieser Produktion mitgewirkt. Arnold Kübler selbst wird durch das Stück führen, und er war auch während der Aufnahmen in unserem Studio, um hier die erste Realisation seiner Komödie als Berater und Mitarbeiter zu unterstützen." [r+f 17/67, Bruno Felix]
 
 

Emil Sautter
Dr ehrlicher Lump (33')
Dialekt Urnerdeutsch Dialektbearbeitung: Hans-Heiri Dahinden Komödie Kriminalhörspiel [L+L]
Tino Arnold, Basel
26.7.67
67 (DRS-1, 1 Sdg.)

r+f 29/67, S.39, --, Dr ehrlicher Lump
 
"Hoch klingt das Lied vom braven Tagedieb. Von einem Mann, der sich störrisch gibt, sich nicht so ganz in die bürgerlichen Lebensgewohnheiten seiner Mitmenschen schicken kann und sich schliesslich doch im Gegenspiel mit einem scheinbar wohlanständigen Widerpart als weitaus ehrlicherer Lump erweist, erzählt das biedere Hörspiel 'Dr ehrlicher Lump' von Emil Sautter, das Hans Heiri Dahinden ins Urnerdeutsche übertragen hat.
Ein kleiner Kriminalfall (Vergiftung eines Hundes) treibt die Dörfler im Wirtshaus zusammen, wo die Empörung hohe Wellen wirft, bis endlich der wahre Schuldige entlarvt wird. Hoch klingt..." [r+f 29/67]
 
 

Jakob Bührer
Die Arche (40')
[D&F]
Inigo Gallo, Zürich
4.8.67
67 (DRS-2, 1 Sdg.)
 
 

Hermann Utz
Übergangsheim (55')
Bearbeitung: Hans Gaugler Musik: Klaus Cornell [L+L]
Hans Gaugler, Bern
23.8.67
67 (DRS-1, 1 Sdg.), 68 (DRS-1, 1 Sdg.)
 
 

Rita und Manfred Schwarz
Schulde bringed Glück (72')
Dialekt Komödie [D&F]
Bruno Felix, Zürich
21.10.67
67 (DRS-1, 1 Sdg.), 68 (DRS-1, 1 Sdg.), 71 (DRS-1, 1 Sdg.)

r+f 42/67, S.73, Manfred Schwarz, Schulde bringed Glück. Über die Leiden und Freuden eines Dialekthörspielautors
 
"Das heitere Geschehen in diesem Dialekthörspiel wird zur Hauptsache in den Räumen eines Steueramtes abgehandelt und von einem Losverkäufer (Ruedi Walter) aus ironischer Distanz kommentiert.
Es sind eigenartige, typisch schweizerische Wege, die über Schulden zum Glück führen." [Pgr 2/71, S.17]
 
"'Schulde bringed Glück', bei diesem Hörspiel handelt es sich um die erste Dialekt-Arbeit des Schweizer Autors Manfred Schwarz, der bis jetzt mit Problem-Stücken hervorgetreten ist. Schwarz zeichnet mit seiner Frau für sein Dialekt-Stück 'Schulde bringed Glück'. Das heitere Geschehen, das hauptsächlich in den Räumen eines Steueramtes spielt, zeigt den schweizerischen Alltag aus ironischer Distanz." [Produktionszettel]
 
"Wie schreibt ein Berner, der eine Aargauerin zur Mutter hat, im Solothurnischen aufgewachsen, mit einer Zürcherin verheiratet ist und der Kinder hat, die ein im Rahmen des Möglichen reines Seebuebe-Züritüütsch sprechen? Ich frage Sie, wie schreibt ein solcher Schweizer ein schweizerdeutsches Hörspiel, das zudem von Radio Zürich mit Schauspielern aus verschiedenen ost- und nordostschweizerischen Kantonen aufgenommen und gesendet werden soll? Züritüütsch, werden Sie sagen. Schön und gut! Aber ich spreche nicht Züritüütsch, ich spreche auch nicht Soledurnisch, und schon gar kein Bärndütsch mehr. Ich spreche irgend etwas, eine Promenadenmischung helvetischer Laute, von allem ein bisschen verseucht.
Zum Glück ist meine Frau, die Rita, dem Schmelztiegel Schweizerischer Idiome entgangen. Sie übersetzte mir schliesslich, was ich in Rohbau-Dialoge gesetzt hatte, ins Zürichdeutsche. Aber auch so noch wird der Dialektfanatiker manches Haar in der Suppe finden, denn bei den Aufnahmen im Studio machte sich - wenn auch in abgeschwächter Form - das gleiche Dilemma bemerkbar, dem ich am Schreibtisch ausgesetzt gewesen war. Ein Thurgauer ist eben ein Thurgauer und kein Zürcher, auch wenn der Regisseur eine Grossmutter hatte, die noch Binätsch sagte und Möischter. Dabei habe ich gar nichts gegen Thurgauer, und ein Zürcher, der Schpinat und Münschter sagt, ist mir genauso lieb. Im Ernst: Es ging uns - Rita und mir auch nicht entfernt darum, eine philologische Turnübung zu veranstalten, die vielleicht die Note 9,5 erhalten hätte und dafür verstaubt und unverständlich gewesen wäre, sondern darum, einen in der zürcherischen Umgebung möglichen, vor allem aber sprechbaren und glaubwürdigen Dialog zu Papier zu bringen. Auch das war schon schwer genug. Wie schreibt man zum Beispiel eine Liebesszene fürs Radio, wo der Durchschnittsschweizer - und Durchschnittsschweizer sind die Figuren in diesem Spiel allesamt - ja meistens verstummt, wo sich ein Gefühl einstellt?
Nun, sprechbar seien die Dialoge gewesen, fanden Regisseur und Schauspieler. Sie hatten angeblich viel Spass bei den Aufnahmen. Ob das ein gutes Omen ist, was den Spass des Hörers betrifft?" [Bildlegende:] "Das heitere Geschehen spielt zur Hauptsache in den Räumen eines Steueramtes und wird von einem Losverkäufer aus ironischer Distanz kommentiert. Philosophiert der Losverkäufer zu Beginn des Spiels: 'Ali mini Chunde merked nöd, das ich ihne die ghäime Wünsch vo der Schtirne ablise im Momänt, wo's zue-mer chömed und ihres Los chauffed.'" [r+f 41/67, Manfred Schwarz]
 
 

Walter Oberer
Verlass' deinen Garten nicht. Ein tragisches Capriccio
(70')
Musik: Hans Moeckel [D&F]
Robert Bichler, Zürich
28.10.67
67 (DRS-1, 1 Sdg.), 70 (DRS-2, 1 Sdg.)

r+f 42/67, S.71, Walter Oberer, Verlass deinen Garten nicht
 
"Walter Oberer, Direktor des Berner Stadttheaters, hat schon etliche Hörspiele geschrieben. Sein 'Tragisches Capriccio' - als das bezeichnet er seine neue Arbeit - spielt in Frankreich. Jean, ein kleiner Postangestellter, nicht mehr ganz jung, verfängt sich im Netz der Liebe und der menschlichen Konventionen. Comtesse Valérie, die ihn trotz Standesunterschied heiraten will, ist an seinem Schicksal nur bedingt schuldig.
Diese Hörspiel wird während der Schweizerwoche mit Anne-Marie Blanc, Karl Paryla und Gert Westphal gesendet." [Pgr 3/67]
 
"Comtesse Valerie, die ihn trotz Standesunterschied heiraten will, ist an seinem melancholischen Schicksal nur bedingt schuldig. Die simplen Umstände sind es, die sein Leben erfüllen." [Produktionszettel]
 
"Notizen des Autors: Ich habe in diesem Hörspiel nicht versucht, das Leben zu erklären oder, wie man heute fachgerecht sagen würde, eine 'Aussage' zur Besserung und Einsicht meiner Mitmenschen zu machen. Das überlasse ich neidlos und voll Bewunderung jenen, die es wirklich gekonnt haben und noch können. Mich hat es eigentlich immer am heftigsten zu den Dingen hingezogen, die nicht augenfällig in der Mitte einer gerade brennenden Aktualität liegen und die doch, vielleicht gerade durch ihre Besonderheit, einen Bezug zu ihr haben. All das, was wir mit unserer Sprache als 'Alltag' bezeichnen, was abläuft nach einem bestimmten Ordnungsplan über Tage hinaus und durch Jahre hindurch und unsere ganze Kraft benötigt, um zu bestehen und, ohne dass wir es manchmal bemerken, Überraschungen, Schönheiten anbietet und auch wieder Enttäuschungen bereitet, die durch die Ordnung des Essens, Schlafens, des Geldverdienen-Müssens, leider schnell wieder vergessen sind: all das hat mich immer fasziniert. Und besonders dann, als ich bemerken musste, wieviel Einsamkeit in der Welt wohnt, wenn dieses Alltagsleben in uns einmal beschliesst, etwas zu tun, was ausserhalb dieser seiner gewohnten Norm liegt. Wenn es plötzlich begreift, dass ein klarer Abend, der in das Blau der kommenden Nacht einbricht wie eine Verheissung, ein Glücksgefühl in uns auslöst. Oder ein Mann, den wir bisher als strengen Buchhalter kannten und der zufällig in einem Konzert neben uns sitzt: wenn dieser Mann im 3.Satz der 4.Sinfonie von Mahler seine Brillengläser putzt, um heimlich seine Tränen zu verbergen.
Was würden wir tun, wenn wir immer das tun dürften, worüber wir nur mit uns selbst Zwiesprache halten! Vielleicht ist es gut so, wie es ist: dass man die Dinge nicht immer nach seinen eigenen Wünschen zurechtbiegen kann. Vielleicht liegt auch darin ein geheimer Reiz, dass wir den 'Garten', in den wir hineingeboren wurden, nicht verlassen sollten, obwohl es uns immer wieder lockt, den Zaun zu überschreiten und vor Situationen zu bestehen, für die wir nur die Sehnsucht und nur selten die Fähigkeit besitzen, mit ihnen zusammen leben zu können. Ähnlich wie Jean Timide, die Hauptfigur des Hörspiels, der auch versuchte, auszubrechen aus der individuellen Form seines Daseins, das er nicht als Wirklichkeit empfand und sie erst dann akzeptierte, als er spürte, wie die zweite Wirklichkeit nur zur Flucht vor sich selbst wird, wenn er nicht ohne Vorbehalt dazu ja sagen kann. Ja zu sich selbst, vergleichbar Frischs Kürmann in 'Biographie', der von der Frage ausgeht, ob sein Leben anders verlaufen wäre, wenn es an einzelnen Schnittpunkten eine andere Wendung genommen hätte. Und der am Schluss auch erkennen muss, dass es für uns nichts anderes gibt, als sich selbst anzunehmen." [r+f 42/67, Walter Oberer]
 
 

Eduard Imhof
Ds Vatersch Uehr (36')
Dialekt Oberwalliser Mundart Musik: Jean Daetwyler [L+L]
Robert Egger, Bern
1.11.67
67 (DRS-1, 1 Sdg.)
 
 

Fritz Gafner
Eugen oder De Hamwäg (75')
Dialekt Schaffhauser Mundart 1.Preis im Radio-Wettbewerb für Mundarthörspiele von Radio Bern 1966/67 Hörspiel-Erstling [D&F]
Inigo Gallo, Zürich
13.12.67
67 (DRS-1, 1 Sdg.), 80 (Dlf, 1 Sdg.), 83 (DRS-1, 1 Sdg.)

r+f 19/66, S.7, --, Gesucht: Mundart-Hörspiele [Wettbewerbsausschreibung]
r+f 26/67, S.17, --, Die Gewinner im Radio-Wettbewerb für Mundarthörspiele
r+f 50/67, S.72, Fritz Gafner, Eugen oder de Hamwäg
TA, 22.12.67, Ärger über ein Hörspiel [Leserbrief]
Volksrecht, 13.1.68, h.a., Eugen oder "De Hamwäg". Mundart-Hörspiel von Fritz Gafner
r+f 4/68, S.5, Hans Rudolf Hubler, Steine des Anstosses. Gedanken zu einem Wettbewerb
r+f 24/70, S.52, --, Eugen oder Der Heimweg [= r+f 50/67]
Der Landbote, 7.10.83, ha, Eugen oder de Hamwäg. Hörspiel von Fritz Gafner
Gafner spielt selbst die Rolle des Pfarrers
 
"Ein Hörspiel, das aus Teilen einer Beerdigungsliturgie besteht und aus fünfzehn Kneipenreden und einem Märchen - und in welchem man Kirchenmusik hört und Jazz und ein neues Trinker- und ein altes Handwerkerlied. Es spielt zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten - meistens in einer Kneipe oder in einer Kirche - und wird in einem Ostschweizer Dialekt gesprochen und in schweizerisch gefärbtem Kirchendeutsch. Eugen, der auch einmal Theologie studiert hat, sagt in seiner vierten Kneipenrede: 'Losed! Eerschtens: Wäner e Momänt lang mir zuelosed, zal ich nonemol e Rundi. Zweitens gönder ja doch nie i d Chirche! Dänn tots eu guet, wäner emol mir zuelosed. Drittens: Wämme dänemol extra wägen eu en Gottesdienscht hät - a euere Beärdigung -, dänn loseder jo au nid zue.'
Eugen selber macht da eine Ausnahme; er wirkt an seiner eigenen Beerdigung mit. Er fällt dem Pfarrer fünfzehnmal ins Wort. Des Pfarrers geistliches Wort wird durch Eugens geistreiche Reden etwas aufgelockert und vertieft.
Warum dies Eugen gestattet wird? Die Wahrheit liegt weder in der geistlichen noch in der geistreichen Rede, aber vielleicht kommt manchmal Wahrheit zustande durch die Kombination - und es ist nicht so, dass der Pfarrer gegen Eugen ausgespielt wird oder Eugen gegen den Pfarrer, sondern sie spielen zusammen; ihr Zusammenspiel macht das Hörspiel aus.
Warum Eugen so viel trinkt? Er kann dann Dinge sagen, die man sonst nicht sagt; er muss nicht so vorsichtig sein - und wir sind etwas nachsichtig.
Wer Eugen ist? Meine Tochter sagt: 'Ich waass, wär de Eugen isch: de Vatti nämlich!' Aber das ist eine Behauptung, die ich sehr leicht widerlegen kann: 'Eerschtens bin ich ghürotet. Zweitens hät de Eugen ka Töchter (Singular!), und drittens häsch tu mich no nie gsee mit emene Ruusch! - Und übrigens bin ich jo de Pfarrer.'
Warum ich dieses Hörspiel schrieb? Jemand erhob den Vorwurf, die kirchliche Verkündigung habe nur eine einzige Dimension - eben die geistliche -, und da dachte ich: 'Durch die Mitwirkung anderer könnte die Verkündigung neue Dimensionen bekommen.' - Warum ich dann Eugen an seiner Beerdigung mitwirken liess? - Ich dachte, das könnte ein gutes Hörspiel geben." [r+f 50/67, Fritz Gafner]
 
"Ein Sterbender im Spital, der in der Vorausschau leibhaftig seinem eigenen Begräbnis beiwohnt, um sich vom Pfarrer die Stichworte zuspielen, die Einsätze zumessen zu lassen für die Rückschau auf seine durchlebten 74 Jahre. Aus dieser Gliederung ergeben sich zweimal zwei Spielebenen: Die im Gedicht sich gereimt widerspiegelnde Wirklichkeit des Sterbens als Umrahmung der ihrerseits inhaltlich in die Abdankungspredigt auf der einen und die Lebensbeichte auf der anderen Seite zweigeteilte Vorstellungsbühne.
Den drei Ebenen des akustischen Mediums entspricht ein dreifacher sprachlicher Ausdruck: Das alle Welt anredende Hochdeutsch des Versrahmens sowie auf der einen Seite das schweizerische Kirchendeutsch des vom Autor persönlich verkörperten Pfarrers und auf der anderen der Thurgauer Dialekt Eugens, gesprochen von Karl Meier. Ein in Hervorkehrung der Kontraste kunst- und wirkungsvoll gefügtes Stück: Einerseits spielt sich das Geschehen in einer Kirche ab, andererseits zumeist in einer Kneipe, die geistliche Predigt verzahnt sich mit Eugens geistreichem Gerede, Orgelmusik und Chorgesang wechseln ab mit Jazzklängen und Volksliedern." [Volksrecht, h.a.]
 
"Das Hörspiel 'Eugen oder de Hamwäg', das kürzlich im Radio zu hören war, ist wohl nicht zur Zufriedenheit aller ausgefallen. Wie kann man nur einem Hörspiel, in dessen Mittelpunkt ein total Besoffener steht, den ersten Preis eines Wettbewerbs zusprechen! Wie müssen wohl die anderen Hörspiele ausfallen, gemessen an diesem ersten? Dass zwischenhinein die Abdankungsfeier zu hören war und der Verstorbene noch seliggesprochen wurde, obwohl er ein Flucher und Lästerer war, macht das Spiel noch verwerflicher. Dass der Autor ein Seelsorger ist, ändert nichts an der Sache." [TA, Leserbrief]
 
"Nach einer schlaflosen Nacht, weil ich mich ärgerte übers Radio, muss ich Ihnen einen Brief schreiben... Solche Hörspiele bringt Beromünster im Christmonat... Man freut sich auf eine Erholung am Abend, setzt sich gemütlich im warmen, gemütlichen Heim ans Radio und wird so enttäuscht, dass es einen ekelt..." [r+f 4/68, Hörerbrief]
 
"Auch glaube ich, der Pfarrer selbst sei nicht Liebhaber von Süssmost. Es dürfte am Radio nicht sooo viel gegen unvergorenes und für vergorenes Getränk vorgetragen werden, ohne durch eine weitere Person die gesundheitswissenschaftlichen Vorzüge des Unvergorenen einflechten zu lassen..." [r+f 4/68, Hörerbrief]
 
"Leider konnte ich keinen Sinn und Zusammenhang darin finden..." [r+f 4/68, Hörerbrief]
 
"Ebenso scheint mir, der Autor kenne vor Gott seine Pflicht auch der Menschheit gegenüber nicht. Sonst hätte er, ausser seiner Abdankungsrede im Hintergrund, der Kritik des Trinkers gute Beispiele eines Pfarrers und anderer entgegenstellen müssen..." [r+f 4/68, Hörerbrief]
 
"Als Hörer sind wir unmittelbar in den Dialog einbezogen, sind stumme Partner des Einsamen. Was da gesagt wird, rüttelt auf und lässt einem nicht ruhen..." [r+f 4/68, Hörerbrief]
 
"Was so ein Eugen braucht, ist nicht Moral; die kennt er schon - und wahrscheinlich besser als alle Moralisten! Was er braucht, ist eben etwas Sympathie oder gar etwas Liebe. Etwas Sympathie oder gar Liebe zu einem Menschen, der trinkt und flucht, das heisst doch nicht, man müsse nun selber zu trinken und zu fluchen anfangen... Eugen ist ein Stück menschlicher Wirklichkeit, unserer Wirklichkeit; es gibt ihn; er ist ein Stück von uns, ob wir nun trinken und fluchen oder ob wir das verabscheuen, und er geht uns etwas an. - Mit Verurteilen werden wir dieses Stück Wirklichkeit nicht los!" [r+f 4/68, Fritz Gafner]
 
"Wer in jener Zeit das Zürcher Niederdorf besuchte, konnte den lebenden Eugen noch in einer jener typischen Niederdorfbeizen antreffen und vielleicht sogar eine seiner geistreichen Reden im Original aufschnappen. Und wer diesen sehr sensiblen, zugleich aber auch recht aggressiven Altphilologen, der dem Alkohol und den schönen Wörtern verfallen war, persönlich kannte, konnte ihn auch gut im Hörspiel widererkennen.
Im Rausch sagte er Wahrheiten und Frechheiten, die einen treffen konnten. Am meisten betrafen sie jedoch ihn selber; seine vorzüglichste - und vorbildlichste - Eigenschaft war nämlich eine schonungslose Selbstironie.
So liegt denn über all der scharfen Anklage, die in diesem Hörspiel laut wird, ein versöhnlicher Ton, den ein Grossteil der Hörer, welche vorerst schockiert waren, auch vernommen hat." [Pgr 3/83, S.8]
 
"Der Lebensweg als Nachhauseweg, die Lebensreise als Heimreise, der Lebenswandel als Stationenweg, als Rückkehr und Einkehr, als Schicksals-, Welt- und Selbsterleben, als Eintauchen in die Kindheit und Jugendzeit, als Rückbesinnung auf die Eltern und Geschwister, auf die verlassene Geliebte und den unbekannten Sohn: alte Symbolik der Dichtung, alte Motive der Dramatik.
'Ich wollte nach Hause und stand auf:
aber der Heimweg -, der Heimweg, das hört nie mehr auf!
Ich habe nach Hause gewollt
und bin wahrscheinlich treppehinab gerollt,
ein Sack oder Stein, ohne Fluch und Schrei,
und kein Mensch, ich auch nicht mehr, war dabei.
Ich konnte nicht mehr auf meinen Füssen stehen;
man sollte einfach nie nach Hause gehen!'
Mit diesen im Versmass gehaltenen Sätzen beginnt und endet gleichlautend die Hörschöpfung des aus Stein am Rhein gebürtigen, ehemaligen Pfarrers Fritz Gafner. Mit solchen Worten wendet sich die Titel-, die Jedermannsgestalt, Eugen, unser aller Bruder, an uns alle, seine Zeitgenossen, die wir verirrt, verunglückt und verloren uns zu uns selbst bekennen, zu unserem allzu menschlichen Menschsein, auf dass unsere bekennende Seele teilhaftig werde der ersehnten Ruhe! Seelenauswurf und Herzenserguss eines Mitmenschen, der das Leben kennengelernt, der angesichts des nahenden Todes nichts mehr zu verbergen, nichts mehr zu verschweigen hat. Gewärtig der Auflösung eröffnet sich uns eine aller Schwächen, aller Zwiespältigkeit zum Trotz im Augenblick noch ungebrochene Persönlichkeit. Wir sehen ihn vor uns, Eugen, den ehemaligen Theologiestudenten und späteren Gymnasiallehrer, den Bacchusjünger und Märchenerzähler, den Bekenner und Wahrheitssucher.
Ein Sterbender im Spital, der in der Vorausschau leibhaftig seinem eigenen Begräbnis beiwohnt, um sich vom Pfarrer die Stichworte zuspielen, die Einsätze zumessen zu lassen für die Rückschau auf seine durchlebten 75 Jahre. Aus dieser Gliederung des Geschehens ergeben sich zweimal zwei Spielebenen: Die im Gedicht sich gereimt widerspiegelnde Wirklichkeit des Sterbens als Umrahmung der ihrerseits inhaltlich in die Abdankungspredigt auf der einen und die Lebensbeichte auf der anderen Seite zweigeteilte Vorstellungsbühne.
Den drei Ebenen des akustischen Mediums, jener der umgreifenden, überhöhenden sowie jener der Vor- und Rückschau, entspricht ein dreifacher sprachlicher Ausdruck: das Hochdeutsch des Versrahmens sowie auf der einen Seite das schweizerische Kirchendeutsch des vom Autor persönlich verkörperten Pfarrers und auf der anderen der Thurgauer Dialekt Eugens, gesprochen von Karl Meier. Ein in Hervorkehrung der Kontraste dualistisch geartetes, kunst- und wirkungsvoll gefügtes Stück: Einerseits spielt es sich in einer Kirche ab, anderseits zumeist in einer Kneipe, die geistliche Predigt verzahnt sich mit Eugens geistreichem Gerede, Orgelmusik und Chorgesang wechseln ab mit Jazzklängen und Volksliedern. Es ist dem Seinsergründer Eugen um die grossen, einfachen, letzten Dinge zu tun, um den Sinn des Lebens, um Lachen und Weinen, um die Liebe, um den Tod. Lebensphilosophie im Zeichen des Todes!" [Der Landbote, ha]
 
"Wahrscheinlich ist es die Menschlichkeit dieses originell-tragischen Eugen, welche dem Hörspiel zu seinem Erfolg verhalf: Es wurde in mehrere Sprachen übersetzt und in verschiedenen Ländern ausgestrahlt." [Tele 40/83, S.64]
 
 

Edwin Arnet
Das kleine Weihnachtsspiel 1948 (51')
Musik: Klaus Sonnenburg
Felix Klee, Bern
23.12.67
67 (DRS-1, 1 Sdg.)
 
 

Hans Rudolf Hubler
Wir suchen Herberg heut'... Weihnachtliches Umzugsspiel in einem bernischen Landstädtchen (37')
Bearbeitung (?) [L+L]Robert Egger, Bern
24.12.67
67 (DRS-1, 1 Sdg.)

aufgenommen in Laupen (Bearbeitung?)

1966         1968