Das Deutschschweizer Hörspiel 1925 -1990

Foto: Unternehmensarchiv SRF, Radiostudio Zürich

1995 erschien meine Dissertation Das Deutschschweizer Hörspiel. Geschichte - Dramaturgie - Typologie: natürlich kein Bestseller, aber heute ist die Auflage immerhin fast ausverkauft. Mein Ziel war es damals, nicht nur ein grundlegendes Werk für die Fachwelt zu schreiben, sondern - um es mit Hans Weigel auszudrücken - ein Buch, "welches von Menschen gelesen werden sollte". Ich habe es, nach zwanzigjähriger Hörspiel-Pause, wieder gelesen und fand, dass es lesbar sei und nicht an "Aktualität" verloren hat. Sobald die Rechte an mich zurückfallen, werde ich deshalb Teile des Textes hier veröffentlichen.

Damit möchte ich der Schweizer Hörspielforschung, die immer noch am Anfang steht, praktische Hilfe leisten. Dies kann ich fürs Erste, indem ich hier Materialien zur Verfügung stelle, die damals als wesentliche Grundlagen dienten, aber in der Schublade blieben - und beinahe verloren gegangen wären. Es ist dies vor allem ein Verzeichnis von Originalhörspielen von Schweizer Autorinnen und Autoren der Periode von 1925-1965. Das mit wesentlich mehr Aufwand recherchierte und verifizierte Verzeichnis für die Jahre 1965-1990 findet sich im Anhang meiner Dissertation. Hier mache ich eine Vorstufe zugänglich, die durch Ausschnitte aus DRS-Programmheften sowie Nachweisen von Zeitungsartikeln angereichert ist. So kann man sich leicht eine Vorstellung vom Inhalt der einzelnen Produktionen verschaffen und oft auch einen interpretativen Einstieg finden.

Auch das hier erstmals veröffentlichte Verzeichnis von Hörfolgen und Features der Jahre 1965-87 ist mit Inhaltsangaben und Nachweisen von Zeitungsartikeln versehen. Vollständigkeit und Exaktheit sind wie bei den anderen Verzeichnissen Ideale, die angestrebt, aber nie ganz erreicht werden.

Wer sich im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit mit dem Schweizer Hörspiel befasst, kann mit mir in Kontakt treten. Eine Seite dieser Homepage ist für Gäste reserviert, die hier ihr Projekt einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen können. Auf Publikationen dieser Art, aber vor allem auch auf Audio-Files von Schweizer Originalhörspielen wird auf der Seite Links verwiesen. Radio DRS/SRF hat in den letzten Jahren eine beachtliche Zahl von Hörspielen auf seiner Internet-Plattform frei zugänglich gemacht, die hier in chronologischer Reihenfolge zusammengestellt sind.

Zukunft der Schweizer Hörspielforschung

1985 beginnt im Anschluss an die "Abteilungsära" eine Phase, die ich als Zukunft des Hörspiels im Kontext eines konkurrenzorientierten Programms bezeichnet habe. Die fünf ersten Jahre dieser bis in die Gegenwart andauernden Periode habe ich in meiner Arbeit berücksichtigt. Die weiteren Produktionen, in geringerem Umfang auch aus dem Programm anderer Institutionen und aus der "freien" Hörspielszene, wären in einem Verzeichnis zusammenzustellen, das als Basis einer Masterarbeit, vielleicht auch einer Dissertation, dienen könnte. Für das Hörspiel dieser jüngsten Periode wäre die Integration von traditionellen und experimentellen Tendenzen ein ergiebiges Thema. Weitere mögliche Themen habe ich im Kapitel 1.34 (S.26) meiner Arbeit aufgezeigt.

Das historische und historisch-biografische Hörspiel zieht sich durch alle Phasen von den ersten Anfängen 1925 bis zur Gegenwart hindurch. Hier eröffnet sich ein weites Feld für Forschende, die auf historischem und auf literarischem Gebiet gleichermassen interessiert sind. Die Wandlung der fiktionalen Beschäftigung mit historischen Themen im Hörspiel sagt wohl ebenso viel über die Entwicklung des Geschichtsverständnisses wie über die hörspieldramaturgische Entwicklung aus.

Und wenn man die lange Reihe der Titel überfliegt, erschliesst sich im Medium Hörspiel selbst ein Stück Kultur- und Zeitgeschichte - bevor noch der Prozess der Analyse eingesetzt hat.


Paul Weber

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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»Es heisst jetzt Dinge machen, die gesprochen werden, die tönen. Jeder, der schreibt, weiss, dass dies Veränderungen bis in die Substanz hinein im Gefolge hat.«

Alfred Döblin, 1929


»Unterm Blickwinkel von Medienästhetik steht der Hörfunk, als Literaturmedium, nach wie vor erst am Anfang.«

Werner Faulstich, 1981



»Die Digitalisierung der letzten zwanzig Jahre bedeutete wie in allen Kulturformen eine Revolution. Sie veränderte die Postproduktion, die Nachbearbeitung von Hörspielen, nachdem sie im Studio aufgenommen worden waren. [...] Dank der Digitalisierung erlebt zudem das freie Hörspielschaffen einen enormen Aufschwung...«

Rolf Hürzeler, 2016